Ich bin AHF – Vu Thi Gai: Das Licht meines Lebens

In Eblast, Ich bin AHF, Vietnam von Olivia Taney

Vu Thi Gai ist Peer Educator bei AHF Vietnam. Ihre Geschichte ist die nächste in unserer Serie „Ich bin AHF“ mit bemerkenswerten Mitarbeitern, Klienten und Partnern, die jeden Tag das Richtige tun, um Leben zu retten.

 

Das Licht meines Lebens

Mein Name ist  Vu Thi GaiIch wurde 1972 geboren und bin 53 Jahre alt. Ich bin eine ganz normale Frau, geboren und aufgewachsen in einem kleinen Fischerdorf im Bezirk Thủy Nguyên, Stadt Hải Phòng. Ich hatte einst ein einfaches, liebevolles Zuhause: Mein Mann war Seefahrer, ich betrieb eine kleine Schneiderei und ein Lebensmittelgeschäft, und wir hatten zwei wohlerzogene Kinder. Das Leben damals war nicht reich, aber friedlich und voller Liebe.

Als die Tragödie ohne Vorwarnung eintrat

Im Jahr 2004 zerstörte ein schwerer Sturm diesen Frieden. Nach einer langen Reise kam mein Mann nach Hause und wurde positiv auf HIV getestet. Kurz darauf erhielt ich das gleiche Ergebnis. Für mich brach eine Welt zusammen. Wir lebten in Angst, Panik und Verzweiflung.

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Opfer von Stigmatisierung werden würde. Doch dann kamen die misstrauischen Blicke der Nachbarn und die Distanz zu den Menschen, die sich einst um uns gekümmert hatten. Mein Laden war verlassen. Wir wurden in die Isolation gedrängt, in genau der Gemeinde, die wir unser Zuhause nannten. Nur einen Monat später starb mein Mann und ließ mich allein mit zwei kleinen Kindern und einer Trauer zurück, die noch nicht einmal ansatzweise verheilt war.

Es gab Momente, in denen ich aufgeben wollte …

Nach dem Tod meines Mannes verfiel ich in eine tiefe Depression. Es gab Nächte, in denen ich am liebsten alles beendet hätte – um dem Schmerz und dem unerbittlichen Druck zu entkommen. Doch dann dachte ich an meine beiden Kinder, die mit jedem Tag größer wurden, und an meine alten Eltern, denen ich noch nichts zurückzahlen konnte. Ich sagte mir: „Ich darf nicht fallen.“

Und gerade als ich mich völlig allein fühlte, erreichte mich ein kleiner Lichtstrahl.

Die helfende Hand, die mich gerettet hat

Eines Tages besuchte mich eine Vertreterin der Frauenunion. Sie brachte eine kleine Packung Milch und Zucker mit und tröstete mich herzlich. Das Geschenk war bescheiden, aber die Menschlichkeit darin war enorm. Zum ersten Mal seit all dem fühlte ich mich nicht völlig im Stich gelassen.

Aus diesem Gespräch erfuhr ich, dass HIV nicht das Ende bedeutet – wenn es richtig und rechtzeitig behandelt wird. Gleich am nächsten Tag ging ich zum Gesundheitsamt der Gemeinde, um mich zu informieren. Und dort begann ein neues Kapitel in meinem Leben. Ich begann meine Behandlung.

Eine neue Reise mit AHF

Einige Zeit später wurde ich an die ART-Klinik des Thuy Nguyen General Hospital überwiesen, die seit 2007 von der AHF unterstützt wird und Menschen wie mir den Zugang zu Behandlungen erleichtert. Für jemanden, der um Hoffnung kämpft, bedeutete die bequeme Betreuung und Unterstützung alles. Ich gehörte zu den ersten Patienten, die ihre Behandlung bei der AHF begannen, und von diesem Moment an fühlte ich mich in meinem Kampf nicht mehr allein.

AHF hat mich nicht nur mit Medikamenten versorgt, sondern mir auch etwas viel Wertvolleres gegeben: wieder Hoffnung und Vertrauen in das Leben.

Dank der engagierten Betreuung durch Ärzte und medizinisches Personal verbesserte sich mein Gesundheitszustand allmählich. Meine Viruslast blieb konstant niedrig. Mir wurde klar, dass ich mit strikter Einhaltung der Behandlung gesund leben, meine Kinder großziehen und weiterhin sinnvoll arbeiten konnte.

Vom Schmerz zum Ziel

Neben meiner Selbstfürsorge wurde ich Peer Educator bei AHF. Ich beriet Neudiagnosen, wandte mich an wichtige Bevölkerungsgruppen, unterstützte schwangere Frauen mit HIV bei der Vermeidung der Übertragung auf ihre Babys und kümmerte mich zu Hause um Menschen mit HIV/AIDS.

Ich wurde einst aufgerichtet – und jetzt möchte ich dieselbe Freundlichkeit denen entgegenbringen, die Hilfe brauchen. Ich glaube, dass jeder mit Hoffnung und Kameradschaft den Sturm überstehen kann.

Heute arbeite ich direkt in der ART-Klinik des Thuy Nguyen Krankenhauses. Zu meinen Aufgaben gehören die Begrüßung der Patienten, die Beratung, das Versenden von Terminerinnerungen, die Überwachung der Viruslasttestergebnisse der Patienten und der Transport von Laborproben. Ich bin zu einer vertrauenswürdigen Brücke zwischen Patienten und medizinischem Personal geworden – ein treuer Begleiter für diejenigen, die diesen schwierigen Weg gerade erst beginnen.

Dankbarkeit kann man kaum in Worte fassen

Ohne AHF und das Engagement der Mitarbeiter im Gesundheitswesen hätte ich vielleicht nie das gehabt, was ich heute habe – ein gesundes, sinnvolles und glückliches Leben.

AHF hat mir nicht nur Gesundheit, sondern auch Hoffnung und eine zweite Chance im Leben geschenkt. Für mich ist AHF mehr als nur eine Organisation – sie ist ein Freund, ein Rettungsanker und das Licht, das mein Leben in meinem dunkelsten Moment wieder entfacht hat.

Ich bin nicht mehr die Frau, die zusammengebrochen ist

Mehr als zwanzig Jahre sind seit dem ersten Aufruhr vergangen. Ich bin nicht mehr die Frau, die unter Schmerzen zusammenbrach. Heute bin ich der lebende Beweis für Erneuerung – für die Kraft der Widerstandsfähigkeit, des Glaubens und der Menschlichkeit.

Ich werde meinen Weg fortsetzen, um Menschen mit HIV Licht, Hoffnung und Leben zu bringen.

Denn ich weiß: Das Leben ist immer noch lebenswert.

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