LOS ANGELES (22. November 2016) – AHF stellte die Gültigkeit der jüngsten UNAIDS-Schätzung vom 21. November in Frage, wonach die Zahl der Menschen, die weltweit eine antiretrovirale Therapie (ART) erhalten, im Juni 2016 bei 18.2 Millionen lag. [1] Diese neue Erkenntnis kommt nur sechs Monate nach der Veröffentlichung der vorherigen Schätzung von 17 Millionen Menschen, die Ende 2015 eine ART erhielten. [2]
Die Zweifel der AHF an der Genauigkeit der Daten wurden durch die rapide steigende Zahl gemeldeter Menschen in Behandlung geweckt, obwohl es keine Mechanismen gibt, um die Schätzungen von UNAIDS unabhängig zu überprüfen.
„Im Rahmen der aktuellen ‚90-90-90‘-Ziele besteht ein inhärenter Interessenkonflikt für UNAIDS. Nachdem UNAIDS die ‚90-90-90‘-Strategie massiv gefördert und bekannt gemacht hat, wurde sie von vielen Regierungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen übernommen“, sagte Michael Weinstein , Präsident der AHF. „Nun steht UNAIDS unter politischem Druck, den Erfolg der ‚90-90-90‘-Strategie sicherzustellen. Dies bedeutet, dass bis 2020 30 Millionen Menschen in Behandlung sein sollen – als Teil der zweiten ‚90‘ der ‚90-90-90‘-Strategie. [3] Angesichts der aktuellen Lage der globalen AIDS-Finanzierung, die erstmals seit 2010 um eine Milliarde Dollar gesunken ist, [4] ist dies zwar ein lobenswertes, aber unrealistisches Ziel. Anstatt diese Tatsache anzuerkennen, übertreibt UNAIDS seine Schätzungen, um sie an seine eigenen Ziele anzupassen.“
Die Bedenken werden durch die Ergebnisse der Gruppe zur Krankheitslast (Group on Burden of Disease, GDB) verstärkt, die Anfang des Jahres in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurden. [5] Der GDB-Bericht stellte fest, dass hinsichtlich der von UNAIDS erhobenen Behandlungsabdeckungsraten die von der WHO entwickelten Richtlinien für eine genaue und transparente Berichterstattung über Gesundheitsschätzungen (GATHER) strikter eingehalten werden müssen. Einige Schätzungen der GDB wichen erheblich von denen von UNAIDS ab. Die GDB wies zudem darauf hin, dass die Überprüfung der von UNAIDS erhobenen Daten aus Ländern wie China, Russland und Indien, die ihre epidemiologischen Statistiken streng geheim halten, schwierig ist.
Als einer der größten nichtstaatlichen Anbieter direkter HIV-Versorgung für 645,000 Kunden in 36 Ländern verfügt AHF über umfangreiche Erfahrung in der Prüfung von Patientenlisten auf ihre Richtigkeit. Wenn AHF gebeten wird, den Betrieb eines angeschlagenen Regierungsprogramms zu übernehmen, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Zahl der gemeldeten ART-Patienten um bis zu 30 Prozent erhöht ist.
In vielen Fällen verfügen staatliche Programme einfach nicht über die personellen Ressourcen, um ihre Daten für Patienten, deren Nachsorge nicht möglich war oder die gestorben sind, routinemäßig zu aktualisieren. Folglich entspricht die Zahl der in einem bestimmten Jahr an UNAIDS gemeldeten Menschen in Behandlung häufiger der Zahl von Personen, die bereits mit einer Behandlung begonnen haben, unabhängig davon, ob sie sich noch in Pflege befinden.
Die AHF äußert seit 2015 ihre Bedenken hinsichtlich der Gültigkeit der UNAIDS-Behandlungsschätzungen
In Korrespondenz mit Dr. Peter Ghys, Direktor der Abteilung für strategische Information und Evaluierung bei UNAIDS, wurde festgestellt, dass die UNAIDS-Zentrale trotz zahlreicher Schreiben bisher nicht eingeräumt hat, dass die Schätzungen möglicherweise zu hoch angesetzt sind. Die Korrespondenz wird im Rahmen dieser Erklärung vollständig veröffentlicht und kann hier eingesehen werden: https://goo.gl/5H1r4I.
„Die Behandlungsschätzungen von UNAIDS steigen rasant an. Die Zahl hat sich seit Ende 2014 um 4.6 Millionen erhöht, doch die Realität vor Ort deckt sich nicht mit dem Bild, das UNAIDS mit seiner ‚Politik durch Pressemitteilungen‘ zeichnet“, sagte Dr. Penny Iutung Amor , Leiterin des AHF-Büros für Afrika. „Pharmazeutische Großhändler in einigen unserer Einsatzländer rätseln: ‚Wir sehen zwar die steigenden Behandlungszahlen, aber nicht die entsprechenden Beschaffungsmengen.‘“
„Dasselbe gilt für die Tests. Wo bleibt die massive Ausweitung der Tests, die nötig ist, um Millionen von Infizierten zu identifizieren? Unüberprüfbare Zahlen künstlich in die Höhe zu treiben, schadet dem Kampf gegen AIDS und ist unmoralisch“, fügte Dr. Iutung Amor hinzu . „Es geht hier nicht nur um Zahlen, es geht um Menschenleben. Wir fordern UNAIDS dringend auf, eine umfassende Überprüfung der Behandlungszahlen durchzuführen und die aufgeschlüsselten Daten sowie die Schätzmethodik öffentlich zugänglich zu machen, damit eine unabhängige Begutachtung erfolgen kann.“
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[1]. https://goo.gl/k4dchW [2]. https://goo.gl/1BnjpG [3]. https://goo.gl/yVwLcC [4]. https://goo.gl/4xtQua [5]. https://goo.gl/RMyWJ8Die AIDS Healthcare Foundation (AHF), die weltweit größte AIDS-Organisation, versorgt derzeit über 645,000 Klienten in 36 Ländern – darunter in den USA, Afrika, Lateinamerika/Karibik, Asien/Pazifik und Osteuropa – mit medizinischer Versorgung und/oder Dienstleistungen. Weitere Informationen über die AHF finden Sie auf unserer Website: www.aidshealth.org , auf Facebook: www.facebook.com/aidshealth sowie auf Twitter: @aidshealthcare und Instagram: @aidshealthcare.











